Pferdezähne: Anzahl, Alter und Pflege einfach erklärt
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Immer wieder finden Sie kleine Heuknäuel im Futtertrog Ihres Pferdes oder am Boden vor der Raufe. Dieses Detail, das man gedankenlos wegkehrt, ist eines der zuverlässigsten Warnsignale für ein Zahnproblem. Pferdezähne sieht man nicht, man putzt sie nicht, und trotzdem hängt alles Weitere an ihnen: die Verdauung, der Allgemeinzustand, die Zufriedenheit unter dem Sattel und sogar das Alter, das Ihnen beim Kauf genannt wird. Dieser Ratgeber liefert Ihnen die genaue Zahnzahl je nach Pferd, die Aufgabe jedes Zahntyps, den Grund für das lebenslange Nachschieben, die Methode zur Altersbestimmung an den Schneidezähnen Jahr für Jahr und die Liste der Anzeichen, bei denen Sie einen Fachmann rufen sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine erwachsene Stute hat 36 Zähne, ein erwachsenes männliches Pferd 40: Der Unterschied sind die vier Hakenzähne.
- Ein Fohlen hat 24 Milchzähne, ohne Molaren und ohne Hakenzähne, und sein bleibendes Gebiss ist mit rund 6 Jahren vollständig.
- Pferdezähne sind hypsodont: Sie schieben ständig nach, und dieses Nachschieben wird normalerweise durch den Abrieb beim Kauen ausgeglichen.
- Eine kraftfutterbetonte Ration verkürzt die seitlichen Kieferbewegungen und bringt dieses Gleichgewicht aus dem Takt: Das ist die Hauptursache für scharfe Zahnkanten.
- Das Alter liest man an den Schneidezähnen des Unterkiefers ab, zuverlässig bis etwa 12 oder 13 Jahre, darüber hinaus nur noch als Schätzung.
- Fachleute nennen dieses Ablesen dem Pferd ins Maul schauen, und das Ergebnis Zahnalter oder Handelsalter: Es ersetzt niemals die Papiere des Pferdes.
- Eine Maulkontrolle pro Jahr ist die richtige Grundlage, auch wenn gar nicht geraspelt werden muss.
Wie viele Zähne hat ein Pferd: 36, 40 oder 24, je nach Fall
Eine erwachsene Stute hat 36 Zähne, ein erwachsenes männliches Pferd 40. Der Unterschied liegt einzig an den vier Hakenzähnen, die beim Hengst und beim Wallach vorhanden sind und den meisten Stuten fehlen. Das Fohlen wiederum hat 24 Milchzähne, ganz ohne Molaren und ohne Hakenzähne.
Die Zahl 36 ergibt sich aus einer vollkommen regelmäßigen Verteilung. In jedem der beiden Kiefer besitzt das Pferd:
- 6 Schneidezähne: zwei Zangen in der Mitte, links und rechts davon zwei Mittelzähne, dann zwei Eckzähne ganz außen.
- 6 Prämolaren, drei auf jeder Seite.
- 6 Molaren, drei auf jeder Seite.
Männliche Pferde und auch manche Stuten tragen zusätzlich einen Hakenzahn pro Quadrant, also vier insgesamt. Daher stammt die Gesamtzahl 40.
| Pferd | Schneidezähne | Hakenzähne | Prämolaren | Molaren | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|
| Erwachsene Stute | 12 | 0 | 12 | 12 | 36 |
| Erwachsenes männliches Pferd | 12 | 4 | 12 | 12 | 40 |
| Stute mit Hakenzähnen | 12 | 0 bis 4 | 12 | 12 | 36 bis 40 |
| Fohlen (Milchgebiss) | 12 | 0 | 12 | 0 | 24 |
Tierärzte notieren diese Verteilung als Zahnformel nach dem modifizierten Triadan-System. Sie wird als Oberkiefer über Unterkiefer für eine Maulhälfte gelesen:
- Erwachsenes männliches Pferd: I 3/3 C 1/1 PM 3/3 M 3/3
- Stute: I 3/3 C 0/0 PM 3/3 M 3/3
- Fohlen: I 3/3 C 0/0 PM 3/3
Ein Detail wirft oft Fragen auf: Die Formel nennt drei Prämolaren, anatomisch angelegt sind ursprünglich aber vier. Der Grund ist, dass der erste Prämolar in aller Regel fehlt. Wenn er doch vorhanden ist, trägt er einen Namen, den jeder Reiter kennt: den Wolfszahn. Dazu gleich mehr.
Die vier Zahntypen und die Aufgabe jedes einzelnen
Das Pferd hat vier Zahntypen: Schneidezähne, Hakenzähne, Prämolaren und Molaren, und jeder von ihnen erledigt eine ganz eigene Arbeit. Sein Gebiss ist heterodont: Die Zähne haben weder dieselbe Form noch dieselbe Funktion. Jeder Typ hat eine genaue Aufgabe, und wer sie kennt, versteht besser, was er im Maul sieht.
Die Schneidezähne: Gras abbeißen
Die Schneidezähne sitzen vorn und dienen zusammen mit den Lippen dazu, Gras zu fassen und abzubeißen. Von innen nach außen heißen sie: die beiden Zangen in der Mitte, die beiden Mittelzähne daneben, dann die beiden Eckzähne. Diese Bezeichnungen sind kein Zierrat: Genau an diesen drei Paaren im Unterkiefer liest man das Alter des Pferdes ab.
Die Hakenzähne: ein Überbleibsel
Ein Pferd kann 0 bis 4 Hakenzähne haben. Im Stallalltag heißen sie beim männlichen Pferd meist schlicht Haken. Sie sitzen zwischen den Schneidezähnen und den Laden und spielen beim Kauen überhaupt keine Rolle. Bei männlichen Pferden brechen sie meist mit 4 bis 5 Jahren durch.
Prämolaren und Molaren: zermahlen
Das sind die eigentlichen Mühlsteine. Die Prämolaren des Pferdes sind molarisiert: Sie ähneln den Molaren und arbeiten mit ihnen zusammen. Gemeinsam bilden sie eine durchgehende Mahlfläche, die Kaufläche, die das Futter zu feinen Partikeln zerreibt. Hier entscheidet sich die gesamte Verdauungsqualität, und hier entstehen, für Sie unsichtbar, auch die häufigsten Probleme.
Wolfszähne und untere Wolfszähne
Der Wolfszahn ist jener winzige, verkümmerte erste Prämolar, der direkt vor dem ersten echten Prämolaren des Oberkiefers sitzt. Sein deutlich selteneres Gegenstück im Unterkiefer heißt unterer Wolfszahn. Ein Pferd kann zwei davon haben, nur einen oder gar keinen.
Diese Zähne haben für das Kauen keinerlei Nutzen, bereiten dem Reiter aber ein sehr handfestes Problem: Sie liegen genau dort, wo das Gebissstück läuft. Deshalb werden sie traditionell vor dem Anreiten entfernt, damit am Gebiss kein Schmerzpunkt entsteht.
Zwischen Schneidezähnen und Prämolaren erstreckt sich übrigens ein völlig zahnfreier Bereich, den man die Laden nennt. Genau dort liegt das Gebissstück auf. Diese Zone ist empfindlich, und die Qualität der Ausrüstung zählt hier ebenso viel wie die Reiterhand: ein passendes Gebiss und eine passende Trense für das Maul Ihres Pferdes gehören zu den Grundlagen für Wohlbefinden bei der Arbeit.
Warum Pferdezähne fast das ganze Leben lang nachschieben
Pferdezähne schieben fast lebenslang nach, weil sie hypsodont sind: Sie haben eine lange Kronenreserve im Kiefer, die nachrückt, während die Oberfläche sich abnutzt. Das ist die wichtigste Besonderheit ihrer Anatomie und zugleich die Erklärung für fast alle auftretenden Probleme.
Dieses ständige Nachschieben ist keine Fehlbildung, sondern eine Anpassung. Ein Pferd frisst Gräser mit hohem Kieselsäureanteil, also ausgesprochen abrasives Futter. Ohne Nachschub wären seine Zähne nach wenigen Jahren abgerieben. Die Natur hat deshalb ein Gleichgewicht eingerichtet: Das Nachschieben gleicht den Abrieb aus, und der Abrieb gleicht das Nachschieben aus.
Von außen nach innen besteht ein Pferdezahn aus äußerem Schmelz, Zement, Dentin und innerem Schmelz. Diese Schichten sind unterschiedlich hart und nutzen sich daher unterschiedlich schnell ab. So entsteht das charakteristische Relief der Kaufläche, das zum Zermahlen unverzichtbar ist, und so wird die Zahnoberfläche auch lesbar: Der Abrieb lässt Muster hervortreten, die sich mit dem Alter verändern.
Das Gleichgewicht hält, solange das Pferd genug kaut. Die Zahlen aus der Praxis sprechen für sich:
- In freier Haltung frisst ein Pferd 15 bis 20 Stunden am Tag.
- Ein Kilo Heu entspricht rund 40 Minuten Kauzeit, bei einer Ration von 10 kg also 6 bis 7 Stunden.
- Eine überwiegend aus Kraftfutter bestehende Ration ist in einem Bruchteil dieser Zeit gefressen.
Das Problem ist nicht nur die Dauer, sondern die Bewegung. Das Pferd kaut in einer kreisenden, stark seitlichen Bewegung. Langes Raufutter verlangt große Ausschläge; Pellets dagegen werden mit kurzen, senkrechten Bewegungen zerkleinert. Die Folge: Die Außenkanten der oberen und die Innenkanten der unteren Backenzähne werden nicht mehr abgerieben und werden zu scharfen Kanten. Genau so entstehen Zahnspitzen.
Anders gesagt: Die meisten Zahnprobleme des Hauspferdes stammen nicht von schwachen Zähnen, sondern von der Kluft zwischen seiner Fütterung und derjenigen, für die sein Maul gebaut ist. Das macht die Anatomie des Pferdes so spannend, sobald man den Faden einmal aufgenommen hat: ein Interesse, das sich schön weiterspinnen lässt mit Bildern und Postern rund ums Pferd für die eigenen vier Wände.
Das Alter eines Pferdes an den Zähnen ablesen: die Tabelle Jahr für Jahr
Man liest das Alter eines Pferdes an den sechs Schneidezähnen des Unterkiefers ab, indem man nacheinander ihren Durchbruch, den Abrieb ihrer Kaufläche und den Winkel ihres Profils betrachtet. Das ist die älteste und eindrucksvollste Verwendung des Pferdegebisses, und sie beruht auf drei aufeinander aufbauenden Beobachtungen.
- Der Durchbruch: Welche Zähne sind schon da, und welche sind noch Milchzähne? Dieses Kriterium ist das zuverlässigste, funktioniert aber nur bis etwa 5 Jahre.
- Der Abrieb der Kaufläche: Die Zahnoberfläche verändert im Lauf der Jahre ihr Aussehen. Die Kunde, jene dunkle Vertiefung in der Zahnmitte, verschwindet nach und nach. Man sagt, der Zahn sei abgerieben, wenn die Kunde weg ist, und verstrichen, wenn auch der innere Schmelzring nicht mehr zu sehen ist. Dann erscheint der Zahnstern, ein brauner Fleck ohne Relief.
- Form und Winkel: Die Kaufläche geht von oval über rund zu dreieckig, und das Profil der Schneidezähne, beim jungen Pferd noch sehr flach, wird mit den Jahren immer spitzer. Am Eckzahn zeigt sich dabei eine typische Einkerbung, der Schwalbenschwanz.
Hier die vollständige Abfolge, so wie sie die offiziellen französischen Hippologie-Lehrbücher vermitteln, darunter das 1995 veröffentlichte Programm Galop 8, und so wie sie sich mit den maßgeblichen veterinärmedizinischen Arbeiten zur Zahnalterung beim Pferd deckt, die 1998 in der Fachzeitschrift Veterinary Clinics of North America erschienen sind.
| Alter | Sichtbares Merkmal an den Schneidezähnen |
|---|---|
| 8 Tage | Durchbruch der Milchzangen |
| 1 Monat | Durchbruch der Milchmittelzähne |
| 3 Monate | Milchzangen auf der ganzen Fläche abgerieben |
| 8 bis 10 Monate | Durchbruch der Milcheckzähne |
| 15 Monate | Milcheckzähne berühren einander |
| 2 Jahre | Kunde an Milchzangen und Milchmittelzähnen verschwunden |
| 2,5 Jahre | Durchbruch der bleibenden Zangen |
| 3,5 Jahre | Durchbruch der bleibenden Mittelzähne |
| 4,5 Jahre | Durchbruch der bleibenden Eckzähne |
| 5 Jahre | Eckzähne berühren sich am Vorderrand, Gebiss fast vollständig |
| 6 Jahre | Kunde der Zangen verschwunden |
| 7 Jahre | Kunde der Mittelzähne verschwunden, erster Schwalbenschwanz |
| 8 Jahre | Kunde der Eckzähne verschwunden, Zahnstern auf der Zange |
| 9 Jahre | Innerer Schmelzring der Zangen dreieckig |
| 10 Jahre | Innerer Schmelzring der Mittelzähne dreieckig |
| 11 Jahre | Innerer Schmelzring der Eckzähne dreieckig |
| 12 Jahre | Deutlicher Schwalbenschwanz bei spitz gewordenem Zahnprofil |
| 13 Jahre | Zangen verstrichen, Kauflächen dreieckig |
| 14 Jahre | Mittelzähne verstrichen |
| 15 Jahre | Eckzähne verstrichen |
| 16 Jahre | Die Zangen weichen voneinander ab |
| 17 Jahre | Die Mittelzähne weichen von den Zangen ab |
| 18 Jahre | Die Eckzähne weichen von den Mittelzähnen ab |
Eine Einschränkung ist nötig, und sie wiegt schwer. Diese Ablesung gilt bis 12 oder 13 Jahre als zuverlässig. Danach bleibt sie möglich, und manche Autoren schätzen das Alter bis in die Dreißiger, aber die Fehlerspanne wächst stark. In mehreren Fällen führt sie sogar regelrecht in die Irre:
- Das Hechtgebiss, ein Längenversatz zwischen den beiden Kiefern, der den gesamten Abrieb verfälscht.
- Das Koppen, das die Kauflächen völlig unnatürlich abnutzt.
- Eine ungewöhnlich tiefe Kunde, die das Pferd jünger erscheinen lässt, als es ist.
Es ist außerdem ein hervorragender Weg, die Anatomie von Kopf und Maul zu lernen, ob auf einer Lerntafel oder an einer detailgetreuen Pferdefigur, wenn man auf die nächste Reitabzeichenprüfung hinarbeitet.
Die Fachsprache aus dem Stall: Zahnalter, Kundenrest und Schwalbenschwanz
Dem Pferd ins Maul zu schauen heißt, sein Alter anhand der Schneidezähne zu bestimmen, und das Ergebnis nennt man Zahnalter. Rund um die Pferdezähne gibt es eine genaue Fachsprache aus der Hand von Pferdehändlern und aus den Reitlehrbüchern, und wer sie beherrscht, folgt einem Stallgespräch oder einem Kaufgespräch mit ganz anderen Ohren.
- Dem Pferd ins Maul schauen: das Alter aus Durchbruch und Abrieb der Kauflächen der unteren Schneidezähne bestimmen. So heißt der Vorgang im Fachjargon.
- Zahnalter oder Handelsalter: das aus der Zahnuntersuchung geschätzte Alter. Der Unterschied ist entscheidend, denn es geht nicht um das Alter laut Papieren.
- Kundenbewahrer: ein Pferd, dessen Schneidezähne nach dem 8. Lebensjahr noch die Kunde tragen. Sein Maul gibt ein zu niedriges Alter an.
- Ausgeprägter Kundenbewahrer: der noch deutlichere Fall, bei dem der Grund der Kunde nach 12 Jahren immer noch vorhanden ist.
- Schwalbenschwanz: die schwalbenschwanzförmige Einkerbung am Eckzahn, ein klassisches Merkmal mit 7 und noch einmal mit 12 Jahren.
- Zahnstern: der braune, ebene und nicht von Schmelz umrandete Fleck, der erscheint, sobald der Zahn verstrichen ist.
Diese Fachsprache ist keine Spielerei für Puristen. Es gibt sie, weil das an den Zähnen abgelesene Alter lange über den Preis entschieden hat, und wo ein Preis im Spiel ist, wurde auch schon betrogen. Absichtliche Eingriffe an den Kauflächen sind belegt, mit denen ein Pferd vor dem Verkauf künstlich älter oder jünger gemacht werden sollte.
Die praktische Schlussfolgerung passt in eine Regel: Das Maul gibt einen Hinweis, die Papiere geben das Alter. Wenn Sie kaufen, gleichen Sie das, was Sie im Maul lesen, immer mit dem Equidenpass und den Eintragungen im zuständigen Zuchtverband oder Register ab. Eine deutliche Abweichung ist nicht zwangsläufig Betrug, es kann sich auch um einen Kundenbewahrer handeln, aber sie verdient immer eine Nachfrage beim Verkäufer.
Zahnspitzen, Diastema, Milchzahnkappen: die häufigsten Zahnprobleme
Zahnspitzen, das Diastema und persistierende Milchzahnkappen sind mit Abstand die drei häufigsten Zahnprobleme beim Pferd. Erkrankungen der Pferdezähne sind verbreitet, werden aber viel zu selten erkannt, weil ihre Anzeichen unauffällig sind und der betroffene Bereich ohne Ausrüstung unsichtbar bleibt. Das sind die Fälle, denen Praktiker am häufigsten begegnen.
Zahnspitzen, auch Schmelzspitzen genannt, sind bei Weitem die häufigsten. Sie bilden sich klassisch außen an den oberen und innen an den unteren Backenzähnen. Diese scharfen Kanten verletzen Backe und Zunge. Korrigiert werden sie durch eine Zahnkorrektur vom Fachmann.
Das Diastema ist ein krankhafter Spalt zwischen zwei Zähnen. Dort sammelt sich Futter an, gärt und löst eine Zahnfleischentzündung aus, die sich zu einer Infektion entwickeln kann, bis hin zum Zahnverlust oder sogar zu einer Beteiligung des Kieferknochens. Das ist schmerzhaft und gehört in tierärztliche Hände.
Persistierende Milchzahnkappen betreffen junge Pferde. Der Milchzahn fällt nicht aus und bleibt auf dem nachschiebenden bleibenden Zahn sitzen, was das Zahnfleisch entzündet und den bleibenden Zahn schief stellen kann. Das Abnehmen durch einen Fachmann verhindert eine dauerhafte Fehlstellung.
Karies gibt es beim Pferd ebenfalls, mit demselben bakteriellen Mechanismus wie beim Menschen.
Gebissfehlstellungen entstehen durch einen Längenunterschied zwischen den beiden Kiefern. Steht der Oberkiefer zu weit vor, spricht man vom Hechtgebiss; im selteneren umgekehrten Fall hat das Pferd ein Karpfengebiss. Der Abrieb wird ungleichmäßig und muss beobachtet werden.
Ein fehlender Zahn schafft ein spiegelbildliches mechanisches Problem: Ohne Gegenspieler schiebt der gegenüberliegende Zahn immer weiter nach, ohne sich je abzunutzen, und bildet am Ende eine regelrechte Stufe auf der Kaufläche, die die Kaubewegung blockiert.
Das alte Pferd schließlich vereint oft mehrere dieser Befunde, verschärft durch Jahre ohne Kontrolle. Das Ergebnis ist fast immer dasselbe: Das Kauen wird ineffizient, und das Pferd magert nach und nach ab. Zahnprobleme zählen im Übrigen zu den häufigsten Ursachen für Gewichtsverlust beim Pferd.
In all diesen Fällen ohne Ausnahme endet die Rolle des Besitzers bei der Beobachtung. Keine dieser Situationen behandelt man selbst, und keine lässt sich ohne vollständige Maulhöhlenuntersuchung sicher diagnostizieren.
Diese Anzeichen sollten Sie bei Ihrem Pferd hellhörig machen
Ausgespuckte Heuknäuel, ganze Körner im Kot, unerklärlicher Gewichtsverlust und plötzliche Abwehr gegen das Gebiss sind die Anzeichen, bei denen Sie das Maul Ihres Pferdes untersuchen lassen sollten. Hier die Beobachtungsliste, die Sie im Kopf behalten sollten. Keines dieser Anzeichen reicht für eine Diagnose, aber jedes einzelne rechtfertigt es, nachsehen zu lassen.
- Nach jeder Raufuttermahlzeit Trog und Boden prüfen. Ausgespuckte Heuknäuel sind das aussagekräftigste Zeichen: Ein Pferd, das sich an einer Zahnspitze verletzt hat, formt Futterballen und drückt sie wie einen Verband gegen die Wunde, bevor es sie ausspuckt. Nur wenige Besitzer kennen dieses Verhalten, dabei ist es unmittelbar zu sehen.
- Das Kauen beobachten: Ein Pferd, das ungewöhnlich langsam frisst, den Kopf zur Seite neigt oder ganze Bissen fallen lässt, zeigt Unbehagen an.
- Den Kot kontrollieren: Ganze Körner oder lang gebliebene Raufutterhalme zeigen, dass das Zermahlen nicht mehr richtig funktioniert.
- Wiederholte Schlundverstopfungen ernst nehmen, sie hängen oft mit unzureichend zerkautem Futter zusammen.
- Den Ernährungszustand im Blick behalten: Bei Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache sollte man immer auch an die Zähne denken.
- In der Box hinhören: Wiederholtes Zähneknirschen ist nie harmlos.
- Am Atem riechen: Ein strenger, anhaltender Geruch, den Fachleute Halitose nennen, deutet auf eine Infektion hin.
- Einseitigen Nasenausfluss beachten, er kann auf ein Zahnproblem hinweisen, das bis in die Nasennebenhöhlen reicht.
- Das Verhalten bei der Arbeit prüfen: Abwehr gegen das Gebiss, Widersetzlichkeiten unter dem Reiter, ein fester Hals, ein hochgerissener Kopf oder ein Pferd, das ohne mechanischen Grund auf einer Seite hart wird.
Diese Beobachtungen verlangen vor allem Zeit beim Pferd. Das tägliche Putzen bleibt dafür der beste Moment, und eine vollständige Putzausrüstung macht aus dieser Routine eine echte Kontrolluntersuchung.
Zum Schluss noch eine Regel: Wenn Sie zögern, lassen Sie nachsehen. Eine Kontrolle ohne Befund kostet unendlich viel weniger als ein verlorener Zahn.
Die Zahnpflege: wer sie macht, wann und wie
Die Zahnpflege beruht auf einer Maulkontrolle pro Jahr, durchgeführt entweder von einem Pferdetierarzt oder von einem Pferdedentalpraktiker. Die Pflege der Pferdezähne gehört zur Grundversorgung, genau wie die Hufbearbeitung oder der jährliche Tierarztbesuch. Trotzdem wird sie von den dreien am häufigsten vernachlässigt, gerade weil eine Zahnspitze, anders als ein rissiger Huf, nicht zu sehen ist.
Zwei Fachleute kommen infrage: der Pferdetierarzt und der Pferdedentalpraktiker, umgangssprachlich Pferdedentist genannt. Beide führen die Maulhöhlenuntersuchung durch, raspeln und entfernen Wolfszähne oder Milchzahnkappen. Die Zuständigkeiten sind in drei Punkten allerdings streng geregelt:
- Sedierung und örtliche Betäubung sind dem Tierarzt vorbehalten.
- Das Ziehen eines Prämolaren oder Molaren ist ein komplexer chirurgischer Eingriff und dem Tierarzt vorbehalten.
- Alle übrigen zahnmedizinischen Eingriffe gehören ebenfalls in tierärztliche Hand.
In der Praxis läuft eine Behandlung immer gleich ab. Der Behandler setzt ein Maulgatter ein, einen Maulöffner, der die Kiefer auseinanderhält, damit er Backenzähne, Zunge und Backeninnenseiten beurteilen kann. Anschließend prüft er die Kauflächen und nimmt bei Bedarf die Raspelarbeit mit einer Hand- oder Motorraspel vor. Manchmal ist eine Sedierung nötig, nicht weil die Behandlung schmerzt, sondern weil Geräusch und Gefühl das Pferd beeindrucken und ein unruhiges Pferd sich nicht sicher behandeln lässt.
Ein Punkt verdient besondere Beachtung, weil er oft falsch verstanden wird: Es darf nicht zu viel geraspelt werden. Das Pferd braucht ein Mindestmaß an Relief auf seinen Kauflächen, um wirksam mahlen zu können. Zu starkes Abschleifen schadet dem Kauen, statt es zu verbessern. Ein richtig behandeltes Pferd zeigt nach dem Termin keinerlei Unbehagen.
Was den Rhythmus angeht, gilt die jährliche Kontrolle als gute Regel, wobei nicht bei jedem Termin auch geraspelt werden muss. Lieber ein gesundes Maul kontrollieren lassen, als bei einem Maul, das es gebraucht hätte, ein weiteres Jahr verstreichen zu lassen.
Der Rhythmus richtet sich anschließend nach dem Pferd:
- Fohlen und Jungpferd unter 2 Jahren: Kontrolle im Rahmen der übrigen Pflege, danach Umstellung auf einen jährlichen Rhythmus.
- Pferd von 2 bis 5 Jahren, mitten im Zahnwechsel: alle 6 bis 12 Monate, das ist die Risikozeit für persistierende Milchzahnkappen.
- Erwachsenes Pferd von 6 bis 17 Jahren: einmal jährlich.
- Pferd über 18 Jahre: mindestens einmal jährlich, häufiger bei Gewichtsverlust.
- Pferd, das auf Gebiss geritten wird: einmal jährlich, und ohne Aufschub, sobald neue Widersetzlichkeiten auftreten.
Ein letzter Reflex für das gerittene Pferd: Wenn plötzlich Widerstand bei der Arbeit auftritt, sollte das Maul untersucht werden, bevor man Ausbildung oder Reitausrüstung infrage stellt. Ein Gebissstück soll ein Mittel der Verständigung bleiben, niemals eine Schmerzquelle in einem angegriffenen Maul.
Häufige Fragen zu Pferdezähnen
Das sind die sechs Fragen, die Reiter und Pferdebesitzer zum Thema Pferdezähne am häufigsten stellen, jeweils mit einer direkten Antwort.
Wie viele Zähne hat ein Pferd im Durchschnitt?
Ein erwachsenes Pferd hat zwischen 36 und 40 Zähnen. Eine Stute hat 36: 12 Schneidezähne, 12 Prämolaren und 12 Molaren. Ein männliches Pferd hat 40, denn es trägt zusätzlich 4 Hakenzähne. Manche Stuten bilden ebenfalls Hakenzähne aus und liegen damit zwischen beiden Werten. Dazu kommen mitunter noch ein oder zwei Wolfszähne, diese winzigen verkümmerten Prämolaren, die längst nicht jedes Pferd hat.
Wie bestimmt man das Alter eines Pferdes an den Zähnen?
Man betrachtet die Schneidezähne des Unterkiefers: zuerst, welche bleibenden Zähne durchgebrochen sind, dann den Abrieb ihrer Kaufläche, dann den Winkel ihres Profils. Die bleibenden Zangen brechen mit rund 2,5 Jahren durch, die Mittelzähne mit 3,5 Jahren, die Eckzähne mit 4,5 Jahren. Danach verfolgt man, wie bei jedem Paar die Kunde verschwindet und der Zahn verstreicht. Die Ablesung ist bis 12 oder 13 Jahre zuverlässig und wird darüber hinaus zur Schätzung.
Wann verliert ein Pferd seine Milchzähne?
Die Milchzähne brechen schon in der ersten Lebenswoche durch, und das Fohlen hat 24 davon. Ersetzt werden sie nach und nach zwischen 1 und 5 Jahren, und zwar in dieser Reihenfolge: die Zangen mit etwa 2,5 Jahren, die Mittelzähne mit 3,5 Jahren, die Eckzähne mit 4,5 Jahren. Als vollständig gilt das bleibende Gebiss mit rund 6 Jahren. Ein gesundes erwachsenes Pferd verliert normalerweise keine Zähne mehr, außer bei Infektion, Verletzung oder im hohen Alter.
Wie sieht das Gebiss eines 3- oder 4-jährigen Pferdes aus?
Mit 3 Jahren hat das Pferd seine bleibenden Zangen, gut erkennbar, weil sie breiter und gelber sind als die benachbarten Milchzähne, während Mittel- und Eckzähne noch Milchzähne sind. Mit etwa 3,5 Jahren brechen dann die bleibenden Mittelzähne durch. Mit 4,5 Jahren folgen die Eckzähne. Ein 4-jähriges Pferd hat also ein gemischtes Maul mitten im Zahnwechsel, was diese Zeit am leichtesten datierbar und zugleich am anfälligsten für persistierende Milchzahnkappen macht.
Was ist ein Wolfszahn, und muss er entfernt werden?
Der Wolfszahn ist ein verkümmerter erster Prämolar, sehr klein, im Oberkiefer direkt vor dem ersten echten Prämolaren gelegen. Sein selteneres Gegenstück im Unterkiefer heißt unterer Wolfszahn. Beim Kauen hat er keine Funktion. Da er dort liegt, wo das Gebissstück verläuft, wird er traditionell vor dem Anreiten entfernt, damit kein Schmerzpunkt entsteht. Die Entscheidung trifft der Tierarzt oder der Pferdedentalpraktiker je nach Lage und Größe.
Was kostet eine Zahnbehandlung beim Pferd?
Die Preisfrage kommt oft, und sie zielt auf die Behandlung, nicht auf den Zahn als solchen. Der Preis für eine Maulhöhlenuntersuchung mit Raspelarbeit hängt von der Region ab, vom Behandler, davon, ob sediert wird, und von der Zahl der Pferde, die im selben Stall behandelt werden. Holen Sie einen Kostenvoranschlag bei einem Behandler in Ihrer Nähe ein und denken Sie daran, den Termin mit anderen Pferden des Stalls zusammenzulegen, was die Anfahrtskosten fast immer senkt. Gemessen am Preis eines Gewichtsverlusts oder einer Zahnextraktion bleibt die jährliche Kontrolle einer der bestangelegten Posten im Budget eines Pferdes.
Die Zähne Ihres Pferdes arbeiten still, mehrere Stunden am Tag, sein ganzes Leben lang. Sie verlangen nur eines: einen aufmerksamen Blick in den Trog und einen Termin pro Jahr.